Vertrauen

 

Ohne Vertrauen kann der Mensch nicht leben. Vertrauen einem Menschen gegenüber, Vertrauen in einen Menschen, Vertrauen in eine Situation, sich selbst Vertrauen, seinen Fähigkeiten vertrauen etc.

 

Ein Kleinkind ist darauf angewiesen, dass es seinen Eltern, seinem Umfeld vertrauen kann. Wenn dieses Vertrauen da ist, kann das Kleinkind in Geborgenheit und Sicherheit aufwachsen. Auch wenn die äusseren Umstände für das Kind schwierig sind, wenn es einer Person vollkommen vertrauen kann, gibt ihm dies Halt und Stabilität. Wenn ein Kind dieses Gefühl von Vertrauen nie erfahren durfte, wird es als Jugendlicher und später als Erwachsener grosse Probleme entwickeln. Es fehlt dem jungen Menschen das Fundament für sein eigenes Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Es fehlt ihm weiter die Erfahrung, jemandem vertrauen zu können. Ein Land in dem die Bewohner niemandem vertrauen können ist furchtbar und traumatisch. Jedes Tier, das in einer Umgebung ohne Vertrauen aufwachsen muss, ist gestört und traumatisiert.

 

Wer kein Vertrauen entwickeln kann, ist misstrauisch. Das bedeutet, man muss achtsam sein und aufpassen, damit man nicht hintergangen oder dass man nicht verletzt wird. Diese Haltung von Misstrauen beansprucht viel Aufmerksamkeit und Kontrolle. Sie bedeutet Energie, die an ein Thema gebunden ist. Dies nennt man Energieverlust, da die Energie nicht anderswo eingesetzt werden kann, weil sie absorbiert ist. Je nachdem wie gross das Misstrauen ist, variiert entsprechend der Energieverlust. Handlungen werden reduziert, Situationen werden umgangen, Personen werden gemieden und vieles mehr. Auf jeden Fall kreisen die Gedanken immer wieder um dasselbe Thema. Vertrauen haben ist so ein bisschen ein Gefühl von Ohnmacht, man ist dem Gegenüber oder einer Situation ausgeliefert und kann nur warten oder eben vertrauen, man ist passiv, denn man kann nichts tun. Es liegt am Gegenüber, ob er das Vertrauen missbraucht oder ob er sich als würdig erweist.

 

In der menschlichen Entwicklung war es sehr wichtig, dass der Mensch Vertrauen fassen konnte. Ich denke jetzt vor allem an das Vertrauen in Gott, die Schöpferkraft. Der Mensch hätte sich nicht weiter entwickeln können, wenn ihn sein Gottvertrauen nicht durch weite Strecken in seinen Leben getragen hätte. Das Vertrauen in Gott konnte auch mal erschüttert werden, man konnte enttäuscht werden von ihm, um irgendwann sich wieder Gott zuzuwenden. Obwohl der Mensch Gott nicht kannte, vertraute er ihm. Gott war für niemanden sichtbar und trotzdem vertraute man ihm. Man vertraute Gott zu einer Zeit, wo nur das Sichtbare real war. Durch die Existenz von Gott lernte der Mensch vertrauen. Gott brachte die Menschen dazu, das Vertrauen zu erlernen. Das Gottesbild das der Mensch sich machte, war einfach: weit oben war Gott und tief unten war der Mensch. Trotz diesem Ungleichgewicht vertraute der Mensch Gott, obwohl er nie sicher war, ob er einem half, wenn man ihn darum bat. Einmal fühlte man sich geborgen und gut aufgehoben, ein anderes Mal fühlte man sich alleingelassen.

 

Vertrauen ist die Basis um ein einigermassen normales Leben führen zu können. Vertrauen beinhaltet aber ganz klar die Gegenseite, das Misstrauen. Vertrauen heisst, man kann jederzeit verletzt oder enttäuscht werden. Es ist wie eine Wippe, es kann auf und ab gehen. Grenzenloses Vertrauen kann einen auch grenzenlos enttäuschen oder verletzen. Ein bisschen Vertrauen fühlt sich dagegen auch nicht richtig an. Vertrauen ist ein bisschen wie pokern, man ist nie ganz sicher. Vor allem wenn man bereits negative Erfahrungen damit gemacht hat, bleibt ein Rest Unsicherheit zurück.

 

Mit all diesen Gedankenspielen um das Thema Vertrauen möchte ich Sie an einen Punkt hinführen. Nämlich dass Sie erkennen, wie ambivalent es sein kann und dass Vertrauen nicht die letzte Stufe ist, die wir erklimmen müssen. Es ist die Grundlage für jeden Menschen auf dem er aufbauen kann. Wenn wir zum Gottbild zurückkehren, hatte es viele, viele tausend Jahre lang seine Berechtigung. Der Mensch musste lernen Gott zu vertrauen, ohne ihn zu sehen oder genau zu wissen, ob er Wirklichkeit war. Das Gottbild hatte etwas Ambivalentes an sich, es wechselte mit der jeweiligen Religion und Kultur.

 

Nun erkennen wir, dass Gott viel mehr als eine allwissende Person ist. Er ist die Schöpferkraft, die in allem ist, was lebt. Jedes Lebewesen ist der Ausdruck der Schöpferkraft. Durch diese Erkenntnis beginnen wir das Schöpferprinzip und die geistigen Gesetzmässigkeiten zu verstehen. Was bedeutet dies? Jeder Mensch hat das Schöpfungspotential in sich und ist Mitschöpfer. Jeder der das weiss, ist ein Wissender. Er muss nicht mehr glauben, er weiss!

 

Genauso ist es mit dem Vertrauen, er kann mehr als vertrauen, er kann mitschöpferisch tätig sein, denn er weiss um die geistigen Gesetze. Zum Beispiel muss ich nicht an das Gesetz von Resonanz glauben, ich muss ihm auch nicht vertrauen, ich muss einzig wissen, dass es eine Gesetzmässigkeit ist. Indem ich weiss, bin ich für meine Schwingung verantwortlich. Wenn ich weiss, dass ich in der Gleichwertigkeit bin, ist mein Gegenüber auch in der Gleichwertigkeit. Ich biete allen die Gleichwertigkeit an und mache niemanden zu einem Täter und ich fühle mich nicht ausgeliefert als Opfer. Ich bin im Fliessen lassen, in der Liebe. Dadurch ziehe ich Menschen und Situationen an, die dieser Energie entsprechen.

 

Wenn ich dagegen meinem Gegenüber vertraue und hoffe, dass er mich nicht hintergeht, bin ich nicht vollkommen im Gleichgewicht mit ihm. Hoffen bedeutet ich habe ein kleines Restrisiko, denn ich kann nicht sagen, wie sich mein Gegenüber verhält. Ich weiss nur, wie ich mich verhalte. Das Restrisiko von Unsicherheit löst ein Ungleichgewicht aus und schliesst das Gegenüber mit ein. Ich kann ein Opfer werden und dadurch das Gegenüber ein Täter.

  

Ich kann daraus schliessen, dass ich das Vertrauen noch steigern kann, durch aktives Wissen und Bewusstsein. Ich weiss, dass meine Schwingung immer in Resonanz geht mit gleichgeschalteten Schwingungen. Da setzt mein Denken und meine Arbeit ein: Indem ich für meine Schwingung die Verantwortung übernehme, beeinflusse ich automatisch meine Umwelt und meine Mitspieler. Ich kann sagen, ich vertraue meinen Energien oder ich kann sagen, ich weiss, dass das Gesetz der Resonanz immer aktiv ist, ob ich daran glaube oder nicht.

 

Vertrauen kann erweitert werden durch das Wissen um das geistige Gesetz. Ich kann aktiv mitschöpferisch sein und dadurch in der Gleichwertigkeit sein, diese wiederum kann keine Verletzungen anziehen. Mein Bewusstsein von Mitschöpfer sein löst eine Resonanz aus, die für mich und alle Beteiligten segensreich ist. Anstatt Vertrauen haben, arbeite ich an meiner Schwingung und helfe dadurch meinem Gegenüber, dass er niemals ein Täter werden muss. Ich darf Vertrauen haben, gleichzeitig aber arbeite ich aktiv mit und schaffe eine Gleichwertigkeit, die allen zu Gute kommt.

 

 

Mengiarda Darms, im November 2011

 

 

 

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